Kunst im Souterrain - Kunsthandwerk Workshops

Filzkunst und Kurse mit Profis bei „Kunst im Souterrain“

Erschienen auf www.reinMein.info Autorin: Dörthe Krohn   „Kunst im Souterrain“, kurz: kuimsou, ist im Herbst letzten Jahres von der Wiesbadener Goebenstraße in eine geräumige Scheune in die Saarstraße umgezogen. 2007 hatte Andrea Noeske-Porada kuimsou gegründet. „Mein Ziel war, für Textilkunst und Schmuck einen Raum zum kreativen Arbeiten und Lehren, für Begegnungen und Ausstellungen zu schaffen“, erklärt die heute 57-Jährige.   Nun haben die beiden Ateliermieterinnen, Andrea Noeske-Porada mit ihrer Textilkunst und Susanne Geiger mit ihrem Schmuck, in der Saarstraße ein ebenso romantisches wie modernes Kleinod gefunden, in dem sie beide ihre jeweiligen Künste voranbringen können. Um die Scheune für Workshops und Seminare optimal nutzen zu können, hat das gesamte Mobiliar Rollen und können aus Böcken und Platten große Arbeitsflächen geschaffen werden. Insbesondere Filzkünstlerin Andrea Noeske-Porada freut sich darüber, denn das Filzen, zumal wenn große Kunstwerke wie Teppiche gerieben werden, braucht Platz. Andrea Noeske-Porada ist Volljuristin und hat nach einer Kinderzeit mit dem Filzen ihre eigentliche Berufung gefunden. Seit Anbeginn war es ihr wichtig, nicht einfach drauflos zu filzen, sondern sie wollte das Filzen systematisch lernen, um sich mit dem Wissen über verschiedene Techniken und Materialien künstlerisch voll zum Ausdruck bringen zu können.     Seit den 1970ern beschäftigt sie sich mit Textilarbeiten, anfangs mit bildhaften Wachsbatiken. Doch die Dreidimensionalität interessierte sie und so begab sie sich auf die Suche nach neuen Werkstoffen und Techniken, die dies bewerkstelligen könnten. Ihr Weg zum Filz führte über das Goldschmieden. „Bald merkte ich, dass mir das Fertigen eines Schmuckstücks nicht ausreicht. Ich wollte mehr wissen über die Techniken, die Materialien, ihre Möglichkeiten und Grenzen“. Andrea Noeske-Porada wird experimenteller, löst sich von herkömmlichen Schmuckmaterialien und verarbeitet beispielsweise Fundstücke, Schoten, Zapfen, Papier und Plastiktüten. „Die entstandenen Schmuckstücke waren nicht immer wirklich tragbar“, lacht sie, doch die eroberte Gestaltungsfreiheit war ihr wichtiger. „Eines Tages brachte eine Kursteilnehmerin Filzkugeln mit, die sie in ihr Schmuckstück einarbeiten wollte. Ich war sehr skeptisch, näherte mich zaghaft diesem Material an.“ Doch dann erahnte sie das Potenzial des Werkstoffs und wollte mehr wissen über Filz und das Filzen.   „Im Schwäbischen ist ein regelrechtes Filzernest“, lächelt Noeske-Porada, „dort knüpfte ich meine ersten Kontakte.“ Sie suchte nach einer systematischen Ausbildung und tatsächlich brachten Sonja Fritz und Inge Bauer die erste Filzschule Deutschlands in Oberrot bei Schwäbisch Hall voran und wurde Andrea Noeske-Porada eine der ersten Absolventinnen, die nach zwei Jahren Ausbildungszeit, von 2008 bis 2010, ihren zertifizierten Abschluss als Filzgestalterin in der Tasche hatte. In Oberrot standen Farbenlehre, Musterentwurf, Materialkunde und Techniken auf dem Programm, wurden Hohlkörper, Flächen und Kleidungsstücke gefilzt. Aber besonders Design und Gestaltung bei Dozentin Beatriz Schaaf-Giesser lagen ihr am Herzen. Noeske-Porada möchte Filzen nicht in erster Linie als Kunsthandwerk betreiben sondern ihre experimentelle Arbeitsweise bringt Kunstwerke hervor. Diverse Filzmusterproben liegen auf ihren Tischen im Atelier. „Meine Vorliebe gilt der Konstruktion, dem miteinander Verbinden von Materialien, dem Textilen“, schwärmt sie. Die objekthafte Auseinandersetzung sieht sie auch als Übersetzung ihres Umweltempfindens in Form, Material und Technik. „Gerade, scharfe Kanten, geometrische Formen, Raum und Wiederholungen üben einen großen ästhetischen Reiz auf mich aus.“   In diesem Sinne verfolgt und verfeinert sie ihre eigens entwickelten, dreidimensionalen, kantigen Filzobjekte. „Ich habe zunächst mit Papier die Faltungen ausprobiert und mich auch gefragt, warum ich diese Faltungen in Filz wiedergeben will, obwohl man sie doch mit Papier viel leichter darstellen kann. Aber tatsächlich ist die Wirkung der Faltungen in Filz eine ganz andere.“ Das Material bildet geradezu einen Kontrast zur Form: Der warme, handschmeichelnde Filz gibt dem Eckigen und Kantigen etwas von seinem Wohlfühlfaktor ab.   Die schlanken Finger der Künstlerin tauchen in die Seifenlauge und bearbeiten gewissenhaft und geduldig die Faser. Der Filz wird gerieben, gerollt oder gar geworfen. Durch die Verbindung mit anderen Textilien, beispielsweise Seide, entstehen einzigartige Strukturen und eine gewisse Festigkeit.   Andrea Noeske-Porada bietet selbst Filz-Kurse in ihrem Atelier an. „Ich wünsche mir, die Teilnehmenden zum Sehen und Begreifen und zum Bilden eigener Ideen anzuregen“ sagt sie. Sie unterstützt ihre KursteilnehmerInnen dabei, ihre eigenen Umsetzungskonzeptionen zu entwickeln und vermittelt die technischen Fertigkeiten. Ihr geht es nicht darum, einfach Dinge nachzufilzen. Wenn man beispielsweise weiß, wie hinten liegende Fasern während des Filzprozesses durch obere Schichten wieder zum Vorschein dringen, kann man den Effekt gezielt einsetzen. „Ich möchte zum Ausprobieren anregen, auch wenn das bedeutet, mal den Weg als Ziel akzeptieren zu müssen.“   Was die Kursinhalte und -struktur betrifft, geht Andrea Noeske-Porada, anders als im experimentierfreudigen Kunstentstehungsprozess selbst, eher ergebnisorientiert vor. Das so gut wie neue Atelier bietet endlich ausreichend Platz, sich einen großen Wunsch zu erfüllen, nämlich Masterkurse anzubieten. Grundgedanke ist, vermehrt namhafte Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland nach Wiesbaden zu holen.   Masterkurse So kommt im Juli und Oktober dieses Jahres die Bildhauerin und Filzkünstlerin Claudia Gemein aus Karlsruhe. Ein beeindruckender Filzteppich von ihr hängt als Raumteiler gegenwärtig im Atelier. Vom 6. bis 8. Juli 2011 leitet Claudia Gemein an, wie man Oberflächen in großen Dimensionen filzt. Zwischendurch lässt sich im großen Garten hinter dem Atelier unter schattenspendenden Bäumen wunderbar pausieren. 270 Euro kostet das Seminar. Am 29. und 30. Oktober stehen hohle Raumgebilde und ihre räumliche Atmosphäre im Vordergrund. Der Zwei-Tage-Kurs kostet 180 Euro. Mittagessen und Getränke sind jeweils inklusive, das Material wird extra berechnet.   Zum persönlichen Kennenlernen von Andrea Noeske-Porada und ihrer Filzkunst sind die Tage des offenen Ateliers vom 11. bis 14. August bestens geeignet. Neben einer kleinen Ausstellung wird es eine Lesung geben und Gelegenheit, selbst etwas auszuprobieren.   Artikel und weitere Bilder auf reinMein
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